Eintrag 08 · AnleitungStand 20.10.2026

Dioptrienausgleich am Fernglas einstellen

Dioptrienausgleich am Fernglas einstellen: Ein Auge abdecken, mit dem Mitteltrieb scharf stellen, dann ausgleichen. Mit Hinweisen für Brillenträger.

Eine Hand hält ein schwarzes Fernglas vor unscharfem grünem Wald, in der Mitte das geriffelte Rad des Mitteltriebs
Symbolbild, KI-generiert · Eine Hand hält ein schwarzes Fernglas vor unscharfem grünem Wald, in der Mitte das geriffelte Rad des Mitteltriebs

Fast jeder Mensch sieht mit dem linken und dem rechten Auge nicht ganz gleich scharf. Das fällt im Alltag kaum auf, weil das Gehirn beide Eindrücke verbindet. Im Fernglas dagegen stören schon kleine Unterschiede: Ein Bild bleibt weich, obwohl am Mitteltrieb alles richtig scheint. Hier kommt der Dioptrienausgleich ins Spiel. Diese Seite erklärt, was er tut, wie Sie ihn Schritt für Schritt einstellen und wo seine Grenzen liegen.

Was der Dioptrienausgleich tut

Der Mitteltrieb, das große Rad zwischen den Fernglashälften, stellt die Schärfe für beide Augen gleichzeitig ein. Er kann aber nicht ausgleichen, dass Ihre Augen unterschiedlich scharf sehen. Dafür gibt es den Dioptrienausgleich. Er verschiebt die Schärfe nur für eine Seite, meist die rechte, und gleicht so den Unterschied zwischen den beiden Augen aus.

Daraus folgt eine einfache Arbeitsteilung:

  • Der Mitteltrieb stellt die Schärfe der linken Seite auf das Ziel ein.
  • Der Dioptrienausgleich bringt die rechte Seite auf denselben Stand.
  • Danach regeln Sie die Schärfe für verschiedene Entfernungen nur noch mit dem Mitteltrieb.

Das ist der Grund, warum der Ausgleich in der Regel nur einmal nötig ist. Ihre Augen ändern sich nicht von Beobachtung zu Beobachtung. Haben Sie den Wert einmal gefunden, bleibt er stehen.

Der Dioptrienausgleich ist keine Sehhilfe im medizinischen Sinn. Ein Fernglas ersetzt keine Brille und behandelt keine Sehbeschwerden. Es gleicht lediglich den Unterschied zwischen beiden Augen am Gerät aus.

Vorbereitung

Der Ausgleich ist der vierte Schritt der allgemeinen Einstellung. Stellen Sie zuerst Augenmuscheln und Augenabstand ein, wie im Ratgeber Fernglas richtig einstellen beschrieben. Erst wenn Sie mit beiden Augen einen einzigen runden Bildkreis sehen, lohnt sich der Dioptrienausgleich.

Wählen Sie dann ein Ziel, das

  • weit genug entfernt ist,
  • feine, gut erkennbare Details zeigt, zum Beispiel eine Schrift oder ein Muster,
  • ruhig steht und gleichmäßig beleuchtet ist.

Bresser empfiehlt ein entferntes Objekt mit gut erkennbaren Details. Halten Sie die Skala des Ausgleichs zunächst auf 0, wenn Ihr Modell eine hat. Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus Sie suchen.

Achtung: Richten Sie das Fernglas bei der Einstellung niemals auf die Sonne oder in ihre Nähe. Das Fernglas bündelt das Licht zusätzlich und kann zu schweren Augenverletzungen führen.

Warum die Reihenfolge wichtig ist

Die Hersteller beschreiben die Einstellung in einer festen Folge: erst Augenmuscheln, dann Augenabstand, dann die Schärfe mit dem Mitteltrieb und zuletzt der Dioptrienausgleich. Der Grund liegt im Aufbau. Sieht Ihr Auge nur einen Teil des Bildes oder sitzen die Hälften falsch, lässt sich die Schärfe nicht zuverlässig beurteilen. Und solange der Mitteltrieb nicht auf das linke Auge abgestimmt ist, fehlt dem Ausgleich der Bezugspunkt. Wer die Schritte vertauscht, sucht deshalb oft lange nach einem Wert, der gar nicht stimmen kann.

Wenn Ihnen die Grundeinstellung schon geläufig ist, können Sie direkt zu den folgenden Schritten springen.

Anleitung für Modelle mit Ausgleich am Okular

Bei vielen Modellen sitzt der Dioptrienausgleich am rechten Okular, als Ring oder Drehelement. Die Folge der Schritte beschreiben Zeiss für das Modell Terra ED und Bresser in der Standardanleitung weitgehend gleich.

  1. Ausgleich auf 0 stellen. Bresser empfiehlt, den Dioptrienring zunächst auf 0 zu stellen.
  2. Rechtes Auge schließen. Halten Sie das Fernglas an die Augen und schließen Sie das rechte Auge.
  3. Links scharf stellen. Sehen Sie mit dem linken Auge auf das Ziel und stellen Sie die Schärfe mit dem Mitteltrieb ein, bis die linke Hälfte ein klares Bild zeigt.
  4. Linkes Auge schließen. Öffnen Sie das rechte Auge und schließen Sie das linke.
  5. Rechts nachstellen. Betrachten Sie dasselbe Ziel und drehen Sie bei Bedarf am Dioptrienausgleich, bis auch dieses Bild scharf ist. Lassen Sie den Mitteltrieb dabei unberührt.
  6. Beide Augen öffnen. Prüfen Sie, ob das gemeinsame Bild scharf und ruhig wirkt.
  7. Wert merken. Notieren Sie den Skalenwert.

Zeiss weist ausdrücklich darauf hin: „Verwenden Sie immer das gleiche Objekt, um beide Bilder scharf einzustellen.“ Wechseln Sie das Ziel zwischen den Schritten, stimmt der Vergleich nicht mehr.

Nach diesem Verfahren stellen Sie die Schärfe für verschiedene Entfernungen nur noch mit dem Mitteltrieb nach. Den Dioptrienring lassen Sie in der Zwischenzeit stehen.

Dioptrienring mit Skala und IndexpunktRechtes Okular von der Seite mit drehbarem Dioptrienring, Skala mit Plus, Null und Minus und einem Indexpunkt als Markierung; daneben ein Notizzettel mit dem gemerkten Wert −0+Indexpunkt zeigt den Wert Mein Wert:+0,5(Beispiel, notiert)
Schema · Rechtes Okular von der Seite mit drehbarem Dioptrienring, Skala mit Plus, Null und Minus und einem Indexpunkt als Markierung; daneben ein Notizzettel mit dem gemerkten Wert

Ausnahme: Ausgleich im Mitteltrieb

Nicht bei jedem Fernglas liegt der Ausgleich am Okular. Bei manchen Modellen ist er in den Mitteltrieb eingebaut. Als Beispiel beschreibt die Leica-Anleitung für das Modell Noctivid das Verfahren so (laut Hersteller, hier in eigenen Worten):

  1. Stellen Sie zuerst nur mit dem linken Auge auf ein Objekt scharf.
  2. Ziehen Sie das Rad der Zentralfokussierung in Richtung Okular heraus.
  3. Stellen Sie mit dem rechten Auge dasselbe Objekt scharf.
  4. Drücken Sie das Rad wieder ein.

Die Skala in einem Fenster zeigt anschließend den eingestellten Wert an. Nach Leica entsprechen zwei lange Striche etwa einer Dioptrie. Zeiss beschreibt für das Modell Victory SF ein ähnliches Prinzip: Einstellrad herausziehen, einstellen, zurücksetzen. Nach der Wikipedia-Übersicht sitzt der Ausgleich meist am Okular, bei höherwertigen Geräten auch im Mitteltrieb.

Wichtig ist deshalb: Welche Variante Ihr Fernglas hat, steht in der Anleitung des Geräts. Wir können nicht sagen, dass der Ausgleich bei allen Modellen rechts liegt. Bei Ihrem Modell kann er an anderer Stelle sitzen.

Skala und Indexpunkt: Den Wert merken

Viele Ausgleichsskalen bestehen aus Strichen oder Zahlen und einer Markierung, dem Indexpunkt, an dem Sie den Wert ablesen. Bresser rät ausdrücklich, die persönliche Dioptrie-Einstellung zu merken oder zu notieren. Leica nennt dies ebenfalls als Hilfe, wenn mehrere Personen das Gerät nutzen.

So halten Sie den Wert fest:

  • Schreiben Sie den Skalenwert in Ihr Notizbuch oder in die Hülle des Etuis.
  • Stellen Sie bei mehreren Nutzern für jede Person den eigenen Wert ein, bevor sie beobachtet.
  • Prüfen Sie vor dem Beobachten kurz, ob der Ring noch auf Ihrem Wert steht.

Das Gerät merkt sich den Wert nicht von selbst. Bei Fixfokus-Modellen ohne Mitteltrieb gilt das beschriebene Verfahren nicht. Bresser nimmt diese Modelle ausdrücklich aus.

Mit Brille, ohne Brille, Gleitsichtglas

Viele Brillenträger fragen sich, ob sie den Ausgleich benötigen. Das Zeiss-Optikbuch gibt dazu eine klare Auskunft, die wir hier als Herstellerangabe wiedergeben:

  • Bei Benutzung mit Brille stehe der Dioptrienausgleich auf Null, da die Brille Unterschiede zwischen den beiden Augen bereits korrigiere.
  • Dasselbe gelte, wenn beide Augen die gleiche Korrektur benötigen. Es zählt also die Differenz zwischen beiden Augen, nicht die absolute Stärke.
  • Wer eine Gleitsichtbrille trägt, soll durch den oberen Teil blicken, den Bereich für die Ferne.

Das sind Angaben eines Herstellers aus dem Jagdbereich. Ihre Anleitung kann abweichen. Was Brillenträger beim Kauf und bei den Augenmuscheln beachten sollten, steht im Ratgeber Fernglas für Brillenträger.

Grenzen des Ausgleichs

Der Dioptrienausgleich verstellt nur in einem bestimmten Bereich. Die Hersteller geben ihn in Dioptrien an:

Tabelle: Verstellbereiche des Dioptrienausgleichs als Beispiele aus Herstellerangaben

QuelleAngabeHinweis
Zeiss Optikbuch (2017)„idealerweise mind. +/- 4 dpt“Empfehlung des Herstellers
Zeiss Conquest HD (Datenblatt 01/2014)±4 dptBeispiel aus einem Herstellerdatenblatt
Zeiss Terra ED (Gebrauchshinweis 10/2014)±4 dptBeispiel aus einem Herstellerdatenblatt
Swarovski Optik CL Pocket 8x25±5 dptAngabe laut Hersteller
Wikipedia (Fernglas)meist nur bis etwa ±3 bis 5 dptallgemeine Einordnung

Die Abkürzung dpt steht für Dioptrien. Liegt der Unterschied zwischen Ihren Augen außerhalb dieses Bereichs, lässt er sich am Fernglas nicht mehr ausgleichen.

Hornhautverkrümmung

Eine Hornhautverkrümmung, fachsprachlich Astigmatismus, lässt sich nach der Wikipedia-Einordnung am Okular nicht korrigieren. Der Dioptrienausgleich verschiebt nur die Schärfe insgesamt, er verändert nicht die Form des Bildes. Eine Aussage über Ihre Augen können wir nicht treffen. Dafür sind Augenärztinnen und Augenärzte zuständig.

Überhub

Manche Ferngläser lassen sich „über Unendlich“ hinaus scharf stellen. Diese Reserve heißt Überhub. Sie ist für Kurzsichtige ohne Brille hilfreich. Fehlt der Überhub, kann nach der Zeiss-Darstellung bei großer Entfernung für Kurzsichtige ohne Brille kein scharfes Bild entstehen.

Fehlersuche: Das Bild bleibt auf einer Seite unscharf

Wenn nach dem Einstellen eine Seite weich bleibt, gehen Sie diese Punkte durch:

  1. Verfahren wiederholen. Beginnen Sie bei Schritt 1 und achten Sie darauf, dass der Ausgleich zuerst auf 0 steht.
  2. Dasselbe Objekt benutzen. Zeiss betont, für beide Bilder dasselbe Objekt zu verwenden. Ein anderes Ziel verfälscht den Vergleich.
  3. Mitteltrieb nicht anfassen. Nach dem linken Auge darf der Mitteltrieb nicht mehr bewegt werden.
  4. Linsen prüfen. Ein Fingerabdruck auf einem Okular kann nur eine Seite verschleiern.
  5. Verstellbereich prüfen. Liegt der Unterschied über dem Bereich des Geräts, reicht der Ausgleich nicht.

Hilft das alles nicht, lesen Sie Fernglas unscharf: Ursachen und Lösungen. Zeigt das Gerät trotz sauberer Einstellung zwei versetzte Bilder, ist Fernglas zeigt Doppelbild oder schwarze Ränder die richtige Seite. Öffnen Sie das Fernglas dabei nicht selbst. Bresser formuliert: „Bauen Sie das Gerät nicht auseinander.“ Wenden Sie sich an Fachhändler oder Hersteller.

Mehrere Personen am selben Fernglas

Wird ein Fernglas in der Familie oder in einer Gruppe weitergereicht, müssen Augenabstand und Dioptrie bei jedem Wechsel neu eingestellt werden. Bresser nennt das ausdrücklich. Praktisch hilft es, wenn jede Person ihren Skalenwert kennt und ihn direkt einstellt. Das spart die Suche und verhindert, dass jemand mit einer fremden Einstellung beobachtet.

Beim Kauf lohnt ein Blick in das Datenblatt: Dort steht der Verstellbereich in Dioptrien. Welche Größen sich für den allgemeinen Einsatz eignen, erklärt der Hub Universalferngläser der Klasse 8x42.

Häufige Fragen

Muss der Dioptrienausgleich bei jeder Nutzung neu eingestellt werden?

Nein. Der Ausgleich ist in der Regel nur einmal nötig, danach bleibt der Wert stehen. Neu einstellen müssen Sie ihn, wenn eine andere Person das Fernglas nutzt oder wenn sich der Ring verdreht hat. Notieren Sie den Skalenwert, dann finden Sie Ihre Einstellung schnell wieder.

Wird der Ausgleich mit Brille überhaupt benötigt?

Laut Zeiss steht der Dioptrienausgleich bei Benutzung mit Brille auf Null, weil die Brille Unterschiede zwischen den Augen bereits korrigiert. Maßgeblich ist die Anleitung Ihres Fernglases. Prüfen Sie außerdem, ob die Augenmuscheln zur Brille passen.

Kann der Ausgleich eine Hornhautverkrümmung korrigieren?

Nein. Eine Hornhautverkrümmung lässt sich am Okular nicht ausgleichen. Der Dioptrienausgleich stellt nur die Schärfe einer Seite insgesamt nach. Er ersetzt keine Brille und keine augenärztliche Beratung.

Wo sitzt der Ausgleich am Fernglas?

Bei vielen Modellen am rechten Okular, bei manchen im Mitteltrieb. Das hängt vom Modell ab. Die Anleitung Ihres Geräts nennt die Stelle und das Verfahren.

Quellen (alle am 20.10.2026 abgerufen)

Redaktionell recherchiert und verglichen, keine physischen Tests. Stand: 20.10.2026. Arbeitsweise und Werbung: Offenlegung.