Händler und Hersteller nennen bei vielen Ferngläsern eine Dämmerungszahl. Sie wirkt wie eine Leistungsangabe, ist aber etwas anderes: eine Rechengröße, die sich aus den zwei Zahlen der Typbezeichnung ergibt. Wir zeigen, wie man sie berechnet, was sie aussagt, was sie ausblendet und was Sie stattdessen zusätzlich prüfen können.
Die Formel
Die Dämmerungszahl (DZ) ist die Quadratwurzel aus dem Produkt von Vergrößerung und Objektivdurchmesser:
DZ = √(Vergrößerung × Objektivdurchmesser in mm)
Zur Erinnerung: Bei der Typbezeichnung 8x42 ist 8 die Vergrößerung und 42 der Objektivdurchmesser in Millimetern. Mehr dazu im Ratgeber Fernglas-Zahlen erklärt. Die Formel finden Sie so im Zeiss-Optikbuch, im Bresser-Ratgeber und in der Wikipedia.
Das Wichtigste vorweg: Die Dämmerungszahl ist ein Rechenergebnis, kein Messwert. Niemand hat sie am fertigen Glas ermittelt. Sie entsteht allein aus der Typbezeichnung.
Drei Rechenbeispiele
8x42
- Vergrößerung × Objektivdurchmesser: 8 × 42 = 336.
- Wurzel ziehen: √336 ≈ 18,33.
- Ergebnis: Die Dämmerungszahl beträgt rund 18,3.
10x42
- 10 × 42 = 420.
- √420 ≈ 20,49.
- Ergebnis: rund 20,5.
7x50
- 7 × 50 = 350.
- √350 ≈ 18,71.
- Ergebnis: rund 18,7.
Auf dem Taschenrechner genügt die Wurzeltaste. Wer keine hat, kann den Rechner auf dieser Seite nutzen.
Tabelle: Dämmerungszahl und Austrittspupille gängiger Typen (nur Rechengrößen)
| Typ | Rechenweg DZ | DZ | AP in mm |
|---|---|---|---|
| 8x25 | √200 | 14,1 | 3,1 |
| 10x25 | √250 | 15,8 | 2,5 |
| 8x32 | √256 | 16,0 | 4,0 |
| 8x42 | √336 | 18,3 | 5,25 |
| 10x42 | √420 | 20,5 | 4,2 |
| 7x50 | √350 | 18,7 | 7,1 |
| 10x50 | √500 | 22,4 | 5,0 |
| 8x56 | √448 | 21,2 | 7,0 |
Beide Spalten sind reine Rechenwerte. Sie werden aus der Typbezeichnung abgeleitet und sagen nichts über die Bauqualität eines bestimmten Modells. Die Austrittspupille erklärt der Ratgeber Austrittspupille berechnen.
Wurzel ohne Taschenrechner abschätzen
Wer keinen Taschenrechner zur Hand hat, kann die Wurzel eingrenzen. Es gilt 18 × 18 = 324 und 19 × 19 = 361. Weil 336 zwischen 324 und 361 liegt, liegt die Dämmerungszahl des 8x42 zwischen 18 und 19. Das genügt für einen groben Vergleich.
Gegenprobe mit Datenblättern
Hersteller geben die Dämmerungszahl teilweise selbst an. Das Zeiss-Conquest-HD-Datenblatt (Flyer, Druck 01/2014) nennt sie für mehrere Modelle, und die Werte decken sich mit der Rechnung.
Tabelle: Dämmerungszahl laut Herstellerdatenblatt und gerechnet
| Typ | DZ laut Datenblatt (Zeiss Conquest HD, 01/2014) | DZ gerechnet |
|---|---|---|
| 8x32 | 16,0 | 16,0 |
| 10x32 | 17,9 | 17,9 |
| 8x42 | 18,3 | 18,3 |
| 10x42 | 20,5 | 20,5 |
| 8x56 | 21,2 | 21,2 |
Das Datenblatt ist älter und dient hier nur als Beispiel für die Übereinstimmung von Rechnung und Herstellerangabe.
Was die Dämmerungszahl aussagt
Die Zahl wächst, wenn Vergrößerung oder Objektivdurchmesser wachsen. Sie fasst beides zusammen: Ein großes Objektiv sammelt mehr Licht, eine hohe Vergrößerung zeigt Details größer. Als grober Anhaltspunkt für das Verhältnis von Details und Lichtmenge ist das einleuchtend.
Sie hilft außerdem, die Wirkung einzelner Änderungen abzuschätzen. Wer von 8x42 auf 8x56 wechselt, sieht die Zahl von 18,3 auf 21,2 steigen. Die Kehrseite ist laut Zeiss-Conquest-Datenblatt ein höheres Gewicht. Wie stark der Gewinn im Bild ausfällt, verrät die Zahl nicht; dafür müssen Sie das Glas ansehen.
Was die Dämmerungszahl nicht erfasst
Das Zeiss-Optikbuch nennt die Dämmerungszahl „eine rein rechnerische Größe“. Sie lässt unberücksichtigt:
- Schärfe, also wie fein Details gezeichnet werden,
- Kontrast,
- Transmission, also den Anteil des Lichts, der das Glas durchquert,
- Farbwiedergabe.
Die Wikipedia sieht es ähnlich und bezeichnet Dämmerungszahl und Verwandtes als stark vereinfachte Leistungsparameter. Eine wichtige Folge: Jedes 8x42 hat automatisch dieselbe Dämmerungszahl von 18,3, gleichgültig, wie gut es gebaut ist. Zwei Gläser mit derselben Zahl können im Dämmerlicht sehr unterschiedliche Bilder liefern.
Das Gegenbeispiel 8x56 und 56x8
Das Zeiss-Optikbuch führt ein Gedankenexperiment an. Ein 8x56 und ein (in Wirklichkeit nicht existierendes) 56x8 hätten rechnerisch dieselbe Dämmerungszahl von 21,2. Doch das 8x56 sei ideal für die Dämmerung, ein 56x8 dagegen völlig unbrauchbar. Die Dämmerungszahl behandelt Vergrößerung und Objektivdurchmesser austauschbar, ein reales Fernglas tut das nicht. Zeiss schließt daraus, dass die Dämmerungszahl allein keine wirkliche Aussage zulässt.
Warum Hersteller und Händler sie trotzdem angeben
Die Dämmerungszahl hat einen praktischen Nutzen: Sie ist ein einziger Vergleichswert, der sich leicht berechnen lässt. Zwei Beispiele für die Darstellung in der Herstellerwelt:
- Bresser schreibt in seinem Kennzahlen-Ratgeber: „Je größer die Dämmerungszahl, desto lichtstärker ist das Gerät.“
- Swarovski Optik schreibt: „Je höher die Dämmerungszahl ist, desto mehr Details sind sichtbar.“
Beide Aussagen sind vereinfachend. Sie stimmen für den Fall, dass alle anderen Eigenschaften gleich sind. Das ist in der Praxis selten der Fall. Das Zeiss-Optikbuch ordnet die Zahl daher ein und nennt Kritik an der Dämmerungszahl ausdrücklich. Wir empfehlen deshalb, die Zahl als Randinformation zu lesen, nicht als Rangmaß.
Was Sie zusätzlich prüfen sollten
Mehrere Punkte ergänzen die Dämmerungszahl sinnvoll.
Austrittspupille
Laut Zeiss ist die Austrittspupille für die Dämmerung das entscheidende Kriterium. Das Optikbuch nennt 4 mm das absolute Minimum, alles darunter sei bei nachlassendem Licht untauglich, auch bei hoher Dämmerungszahl. Die Wikipedia sieht ein Standardglas mit etwa 5 mm als geeignet für die Dämmerung an. Die Quellen sind sich in der Zahl nicht einig; mehr dazu im Ratgeber Fernglas für die Dämmerung.
Vergütung und Transmission
Die Vergütung ist eine aufgedampfte Antireflexschicht auf den Linsen. Heute werden fast nur Mehrschichtvergütungen eingesetzt; sie verringern Reflexe und erhöhen die Transmission. Hochwertige Ferngläser erreichen nach der Wikipedia Transmissionswerte von über 90 Prozent. Als Herstellerangaben nennen wir zwei Beispiele: Das Swarovski Optik CL Pocket 8x25 gibt laut Hersteller eine Transmission von 88 Prozent an, der Zeiss-Conquest-Flyer (01/2014) spricht von 90 Prozent und mehr. Solche Angaben sind Herstellerwerte; wie sie gemessen wurden, steht nicht immer dabei. Die Transmission wird in der Typbezeichnung nicht genannt und gehört zu den Gründen, warum zwei Gläser mit gleicher Dämmerungszahl unterschiedlich hell wirken können.
Die eigene Probe
Am Ende zählt, wie das Bild bei Ihnen ankommt. Wenn möglich, vergleichen Sie zwei Gläser bei wenig Licht nacheinander. Achten Sie auf Randschärfe, Kontrast und darauf, wie schnell Ihre Augen ermüden. Dazu passt der Vergleich 8x42 oder 10x42 für zwei sehr verbreitete Größen oder 8x32 oder 8x42 für die Frage nach Gewicht und Helligkeit.
Wie sich Vergrößerung und Objektiv auf die Zahl auswirken
Ein paar Rechenbeispiele zeigen, wie sich die Zahl verhält:
- Gleiches Objektiv, höhere Vergrößerung: Das 8x42 hat 18,3, das 10x42 hat 20,5. Die Zahl steigt, obwohl die Austrittspupille sinkt (5,25 auf 4,2 mm).
- Gleiche Vergrößerung, größeres Objektiv: Das 8x32 hat 16,0, das 8x42 hat 18,3, das 8x56 hat 21,2.
- Anderer Typ, ähnliche Zahl: Das 8x42 (18,3) und das 7x50 (18,7) liegen dicht beieinander, doch die Austrittspupillen betragen 5,25 und 7,1 mm.
Daran lässt sich ablesen, dass die Dämmerungszahl vor allem die Vergrößerung belohnt. Das ist der Grund, warum das Zeiss-Optikbuch sie für die Dämmerung als unzureichend ansieht.
Zum Selbstrechnen
Zwei kleine Aufgaben festigen den Rechenweg. Die Lösungen stehen direkt dahinter.
- Wie groß ist die Dämmerungszahl eines 8x32? Rechnung: 8 × 32 = 256, √256 = 16. Die Dämmerungszahl beträgt 16,0.
- Wie groß ist sie bei einem 10x25? Rechnung: 10 × 25 = 250, √250 ≈ 15,8.
Vergleichen Sie danach die Austrittspupillen: 4,0 mm beim 8x32 gegen 2,5 mm beim 10x25. Die Dämmerungszahlen liegen nur um 0,2 auseinander, die Austrittspupillen um 1,5 mm. Das zeigt noch einmal, dass beide Kennzahlen unterschiedliche Dinge ausdrücken.
So lesen Sie Angaben in einem Angebot
Wenn in einer Produktbeschreibung eine Dämmerungszahl steht, empfiehlt sich diese Reihenfolge:
- Prüfen Sie, ob sie zur Typbezeichnung passt. Rechnen Sie nach: Aus 8x42 muss sich 18,3 ergeben.
- Suchen Sie die Austrittspupille. Steht sie nicht dabei, berechnen Sie sie selbst.
- Suchen Sie Angaben zur Vergütung und zur Transmission und achten Sie darauf, ob es sich um eine Herstellerangabe handelt.
- Beachten Sie das Gewicht, denn größere Objektive treiben die Dämmerungszahl nach oben und bringen mehr Masse mit sich.
Diese Schritte helfen auch, wenn Angaben zweier Gläser nebeneinander stehen. Der Vergleich 8x32 oder 8x42 zeigt, wie das bei zwei nah verwandten Größen aussieht.
Typische Fehlschlüsse
„Ein 10x42 ist im Dämmerlicht besser als ein 8x42, weil die Zahl höher ist.“ Die höhere Zahl entsteht durch die stärkere Vergrößerung. Die Austrittspupille ist beim 10x42 kleiner (4,2 gegen 5,25 mm). Für die Dämmerung nennt Zeiss gerade sie als entscheidendes Kriterium.
„Zwei Gläser mit gleicher Dämmerungszahl sind gleich gut.“ Die Zahl blendet Schärfe, Kontrast, Transmission und Farbwiedergabe aus. Gleiche Zahl heißt nur: gleiche Typbezeichnung oder gleiches Produkt aus Vergrößerung und Objektivdurchmesser.
„Je größer die Zahl, desto besser.“ Das entspricht der vereinfachten Darstellung mancher Hersteller. Wir ordnen sie ein: Die Zahl taugt als Randinformation, aber nicht als Rangmaß. Größere Objektive wiegen außerdem mehr; als Beispiel nennt das Zeiss-Conquest-Datenblatt 630 g für 32 mm, 795 g für 42 mm und 1.265 g für 56 mm.
Merksätze
- DZ = √(Vergrößerung × Objektivdurchmesser).
- Die Dämmerungszahl ist eine reine Rechengröße.
- Jedes Glas desselben Typs hat dieselbe Zahl.
- Eine höhere Zahl heißt nicht, dass das Glas im Dämmerlicht besser ist.
- Prüfen Sie zusätzlich Austrittspupille, Vergütung und Transmission und, wenn möglich, das Bild selbst.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Dämmerungszahl?
Multiplizieren Sie Vergrößerung und Objektivdurchmesser und ziehen Sie aus dem Ergebnis die Wurzel. Beim 8x42 ist das √336 ≈ 18,3, beim 10x42 √420 ≈ 20,5.
Ist eine höhere Dämmerungszahl immer besser?
Nein. Die Zahl ignoriert Schärfe, Kontrast, Transmission und Farbwiedergabe. Das Zeiss-Optikbuch zeigt das mit dem Gegenbeispiel 8x56 gegen 56x8: gleiche Zahl, aber völlig verschiedene Brauchbarkeit. Für die Dämmerung ist die Austrittspupille aussagekräftiger.
Welche Dämmerungszahl ist nötig?
Dafür gibt es keinen festen Wert, und die Quellen nennen keine. Sinnvoller ist es, die Austrittspupille zu betrachten, auf Vergütung und Transmission zu achten und das Bild bei wenig Licht selbst zu vergleichen.
Quellen (alle am 20.10.2026 abgerufen)
- Carl Zeiss Sports Optics: „Optik für Jagd und Naturbeobachtung”, 2. Ausgabe 2017, https://www.zeiss.de/content/dam/pno/landing-pages/germany/waidgefaehrte/mitgliedsbereich/infotainment/waffenkunde-und-optik/downloads/zeiss-waidgefaehrte-downloads-optikbuch.pdf, abgerufen am 20.10.2026
- Bresser: „Der große Fernglas-Ratgeber: Alle Kennzahlen erklärt”, https://www.bresser.de/ratgeber/sport-optik/die-wichtigsten-kennzahlen-eines-fernglases/, abgerufen am 20.10.2026
- Swarovski Optik: „Das 1x1 der Beobachtungsoptik”, https://www.swarovskioptik.com/lu/de/jagd/optics101/das-1x1-der-beobachtungsoptik, abgerufen am 20.10.2026
- Swarovski Optik: CL Pocket 8x25, Produktseite, https://www.swarovskioptik.com/de/de/jagd/products/binoculars/clp/clpocket/cl-pocket-8x25-ii, abgerufen am 20.10.2026
- ZEISS Conquest HD Flyer (Technische Daten), Druck 01/2014, https://www.astroshop.es/Produktdownloads/2087-811_CONQUEST_HD_Flyer_210x280_Deutsch_web.pdf, abgerufen am 20.10.2026
- Wikipedia (de): „Fernglas”, https://de.wikipedia.org/wiki/Fernglas, abgerufen am 20.10.2026
Redaktionell recherchiert und verglichen, keine physischen Tests. Stand: 20.10.2026. Arbeitsweise und Werbung: Offenlegung.